Mittelstandsforschung und -Politik
Der Mittelstand ist nach wie vor die tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Mittelständische Unternehmen haben einen Anteil von 99,7% an der Gesamtzahl der in Deutschland gemeldeten Unternehmen. Dabei beschäftigen sie 69,7% aller Beschäftigten in Deutschland und haben einen Anteil an der Bruttowertschöpfung von 48,8%.
Gerade wegen der hohen Bedeutung des Mittelstandes für Wirtschaftswachstum, Einkommen und nicht zuletzt wegen seiner Signalwirkung in Bezug auf die Entwicklung der Marktwirtschaft in Deutschland wiegt die aktuell ungünstige Lage des Mittelstandes besonders schwer. 31% der Unternehmen arbeiten ohne Gewinn. 37% der mittelständischen Unternehmen werden ohne jegliche Eigenkapitalausstattung geführt und 84% der Unternehmen verzeichnen eine negative Umsatzentwicklung.
Was sind die Ursachen für die wirtschaftliche Misere, die sich auffallend deutlich bei der Betrachtung des deutschen Mittelstandes zeigt? Komplexe und schwer vorhersehbare Marktveränderungen, länger anhaltende Schwächen in der Konjunktur verschiedener Wirtschaftsräume, mangelnde Managementqualifikation im Mittelstand, der eklatante Mangel an Eigenkapital oder die unstete und unvorhersehbare Wirtschaftspolitik? Und genauso wichtig erscheint die Frage: Wie lassen sich mittelständische Unternehmen auch im ungünstigen Umfeld erfolgreich führen?
Viele Unternehmer aber auch Entscheider in Politik und Wirtschaftsförderung sehen unternehmerischen Erfolg ausschließlich durch Erfolge auf den Absatzmärkten begründet. Die hohe Bedeutung des "Absatzmarkterfolges" für den nachhaltigen Unternehmenserfolg ist unbestreitbar. Jedoch müssen Unternehmen heute auf allen relevanten Märkten effizient und erfolgreich agieren. Neben dem Absatzmarkt gehören dazu im wesentlichen auch der Beschaffungsmarkt - hier insbesondere der Personalmarkt - und zunehmend der Kapitalmarkt.
Visionometrics stellt vor diesem Hintergrund gemeinsam mit Partnern aus der betriebs- wirtschaftlichen Forschung und Konzeptentwicklung mittelständischen Unternehmen aber auch Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaftsförderung ein methodisch fundiertes und gleichzeitig praxisgerechtes Instrumentarium der modernen Wirtschaftsforschung zur Verfügung. Einerseits können beispielsweise durch die Erfolgsfaktorenforschung, Verflechtungsstudien auf den Beschaffungsmärkten, Konjunkturanalysen oder durch die Entwicklung und Erprobung mittelstandsorientierter Ratingsysteme die Grundlagen und Bedingungen des zukünftigen unternehmerischen Erfolgs im deutschen Mittelstand präzisiert werden; andererseits liefert Visionometrics Entscheidungsgrundlagen zur methodisch fundierten und nachhaltig erfolgreichen Wirtschaftsförderung ganzer Branchen oder Regionen, z.B. im Rahmen von Regionalanalysen zur Erstellung und Entwicklung von Standortprofilen.
Neben den in der Praxis bereits häufig diskutierten Defiziten auf der Markt- und Leistungsseite des Mittelstandes spielen in Deutschland strukturelle Probleme der kleinen und mittelständischen Unternehmen eine besondere Rolle. Beispielsweise ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote der deutschen Unternehmen - d.h. der Anteil der Eigenmittel am gesamten investierten Kapital der Unternehmen - um konjunkturelle Einflüsse bereinigt von 22,5% im Jahr 1971 stetig auf 17,0% im Jahr 1999 abgesunken. Auch und gerade vor dem Hintergrund der "neuen" Eigenkapitalhinterlegungsvorschriften der Kreditinstitute (Basel II) ist eine Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten im Mittelstand nach dem bisherigen "Hausbanken-Konzept" nicht zu erwarten.
Andere strukturelle Nachteile entstehen dem Mittelstand vor allem durch unternehmensgrößenbedingte Nachteile, z.B. bei der Marktpräsenz, bei der Stärke auf dem Beschaffungsmarkt oder bei der Innovation und Entwicklung neuer Produkte und Leistungen.
Forschungsleistungen und Systementwicklungen von Visionometrics zur Wertsteigerung und Zukunftssicherung des deutschen Mittelstandes zielen vor diesem Hintergrund auf drei wesentliche Aspekte der Unternehmens- und Wirtschaftsförderung:
- Die kombinierte Anwendung von Rekapitalisierung und Restrukturierung mittelständischer Unternehmen, z.B. unter regionalem Fokus.
- Die Verstärkung der Eigenkapitalbasis und des Management-Know-hows in den Unternehmen.
- Die Nutzung von Synergien, z.B. im Rahmen von Kooperationen oder gar Fusionen im Mittelstand.
Zur Institutionalisierung und Umsetzung dieser Aspekte der Wirtschaftsförderung wird von Visionometrics insbesondere ein innovatives Konzept für regionale Beteiligungsfonds bzw. für regionale Beteiligungsgesellschaften entwickelt und auf regionaler Ebene erprobt. Dabei werden die zahlreichen Teilgebiete, Ansätze und Methoden der Mittelstandsforschung wie z.B. Erfolgsfaktorenforschung, Ratingsysteme, Regionalanalyse oder Unternehmensvergleiche verknüpft, um die Ergebnisse der aktuellen betriebswirtschaftlichen Forschung und Entwicklung für den Mittelstand zugänglich, nutzbar und handhabbar zu machen.
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